Pokémon-Karten Preisliste: Was Händler beim Ankauf wirklich zahlen

Du suchst eine Preisliste zum Pokémon-Karten verkaufen — eine Tabelle, in der steht, was du für deine Karten bekommst. Die schlechte Nachricht: Die gibt es nicht, und jeder, der dir eine verkauft, verkauft dir eine Illusion. Die gute Nachricht: Es gibt eine nachvollziehbare Rechnung dahinter, und die legen wir hier komplett offen. Am Ende kannst du dein eigenes Angebot vorher überschlagen — inklusive der unangenehmen Stellen.

Warum es keine einheitliche Ankaufs-Preisliste gibt

Zuerst die Unterscheidung, an der die meisten Missverständnisse hängen: Marktwert und Ankaufspreis sind zwei verschiedene Zahlen. Der Marktwert ist das, was ein Endkunde auf Cardmarket oder eBay für die Karte zahlt. Der Ankaufspreis ist das, was ein Händler dir dafür gibt, weil er die Karte anschließend noch verkaufen muss — mit Gebühren, Zeit, Lagerrisiko und dem Risiko, dass der Preis bis dahin fällt.

Eine feste Preisliste würde voraussetzen, dass eine Karte immer dasselbe wert ist. Ist sie aber nicht. Dieselbe Karte kann in Near Mint das Vierfache der gespielten Version bringen, im japanischen Druck einen völlig anderen Preis haben als im deutschen, und nach einem Reprint über Nacht die Hälfte verlieren. Dazu kommt die Liquidität: Eine Karte mit 40 € Trendpreis, die pro Jahr dreimal verkauft wird, ist für einen Händler etwas ganz anderes als eine 40-€-Karte, die wöchentlich weggeht.

Die „Preislisten“, die du im Netz findest, sind fast immer eines von drei Dingen: alte Katalogwerte aus Sammelalben, Wunschpreise aus unverkauften Angeboten oder App-Schätzungen, die eine Karte am Bild erkennen und den höchsten gefundenen Wert anzeigen. Alle drei beschreiben nicht, was jemand zahlt, sondern was jemand gern hätte. Der Unterschied fällt erst auf, wenn du selbst verkaufen willst — und dann fällt er unangenehm auf.

Was es dafür gibt, ist eine Formel. Die ist bei jedem seriösen Händler im Kern dieselbe — die meisten reden nur nicht darüber. Wir schon, denn wenn du unsere Rechnung nachvollziehen kannst, kannst du sie auch mit anderen Angeboten vergleichen. Wer seine Pokémon-Karten verkaufen will, sollte wissen, wie die Zahl am Ende zustande kommt.

Die Rechnung hinter jedem Angebot: Marktwert minus Marge minus Aufwand

Jedes Ankaufsangebot bei uns entsteht aus drei Bausteinen: Angebot = Marktwert × Zustand × Anteil. Gebühren, Zeit und Risiko des Weiterverkaufs stecken im Anteil, es wird nichts zusätzlich abgezogen.

Baustein eins — Marktwert: Bei Einzelkarten und Sammlungen ist das der Cardmarket-Trendpreis in Near Mint. Bei Sealed nehmen wir das günstigste aktuelle Cardmarket-Angebot (Low) in gleicher Sprache, weil Sealed-Trends oft von wenigen teuren Angeboten nach oben gezogen werden. Baustein zwei — Zustand: Near Mint zählt voll, gespielte Karten mit Abschlag (Tabelle weiter unten). Baustein drei — Anteil: Der hängt davon ab, wie viel Arbeit und Risiko in der Ware steckt (Stand 10.10.2026, ohne Gewähr):

KategorieDein AnteilBasis
Sealed-Produkte (Display, ETB, Booster-Box)85–90 %Cardmarket-Low, gleiche Sprache, originalverpackt
Gefragte Singles, Near Mint75–85 %Cardmarket-Trend
Gemischte Sammlung inkl. Bulk60–70 %Cardmarket-Trend
Schwer verkäufliche Singlesdarunter, EinzelbewertungCardmarket-Trend
Reiner BulkFestpreispro 1.000 Karten

Richtwerte, keine Zusage. Der konkrete Anteil hängt von Zustand, Nachfrage und Sortieraufwand ab. Stand 10.10.2026, ohne Gewähr.

Einmal mit Zahlen: Eine gefragte Holo mit 40 € Trendpreis in Near Mint. Angebot: 40 € × 1,0 × 75–85 % = 30–34 €. Ist dieselbe Karte Light Played, rechnen wir mit einem Zustandsfaktor von 0,55, dann sind es rund 16,50–18,70 €. Klingt nach wenig gegenüber „40 € laut Cardmarket“ — ist aber die Zahl, die entsteht, wenn man Gebühr, Verkaufsdauer und Risiko nicht unter den Tisch fallen lässt. Wer dir für die Near-Mint-Karte 38 € bietet, hat entweder einen konkreten Käufer in der Hinterhand oder er hat sich verrechnet. Ab 100 € Angebotswert legen wir das DHL-Label bei, zwischen 50 und 99 € gegen 6 € Abzug.

Warum liegt Sealed oben und die gemischte Sammlung unten? Weil ein versiegeltes Display in fünf Minuten fotografiert und gelistet ist, während 3.000 lose Karten jemand einzeln durchsehen, zuordnen und bewerten muss. Du zahlst den Unterschied nicht als Gebühr, sondern als niedrigeren Prozentsatz — das ist dieselbe Rechnung, nur ehrlicher benannt.

Preisspannen nach Kartenklasse: Bulk, Rare, Holo, Chase-Karte

So sieht das übersetzt in Größenordnungen aus. Die Zahlen sind Richtwerte für gängige Fälle, nicht für deine spezielle Karte:

KlasseMarktwert (CM-Trend)Auszahlung (Richtwert)
Commons/Uncommons (Bulk)Cent-Bereichca. 3 € pro 1.000 Karten
Bulk-Raresunter 1 €ca. 0,05 € pro Karte
Solide Holo / gefragte Rare2–20 €ca. 60–70 % davon (im Sammlungsmix)
Gefragte Single, NM, liquide100 €ca. 75–85 €
Chase-Karte, dreistellig+ab ca. 200 €Einzelbewertung, Basis 75–85 % vom Trend
Sealed (Display, ETB)100 € (Cardmarket-Low)ca. 85–90 €

Alle Angaben Stand 10.10.2026, ohne Gewähr — Preise schwanken täglich.

Die erste Zeile ist die, über die niemand gern spricht: rund 3 € für tausend Karten. Das ist kein Trick, sondern schlicht der Marktpreis für Ware, von der jeder Händler bereits Kisten im Lager hat. Was du mit dem Berg sinnvoll machen kannst, ohne ihn zu verschenken, haben wir separat aufgeschrieben — Bulk sinnvoll verkaufen geht auch die Frage durch, wann Verschenken die klügere Option ist.

Am anderen Ende steht die Chase-Karte. Dreistellige und höhere Einzelkarten laufen nie über eine Pauschale, sondern werden einzeln bewertet — nach aktuellem Trendpreis, tatsächlichen Verkäufen der letzten Wochen und Zustand. Genau deshalb ist es wichtig, dass du solche Karten beim Verkauf ausdrücklich erwähnst, statt sie im Schuhkarton mitzuschicken.

Dein Anteil am Marktwert Dein Anteil am Marktwert was von 100 € Cardmarket-Referenz bei dir ankommt: Sealed vom Low, sonst vom Trend 0 %50 %100 %Sealed (Display, ETB)85–90 %Gefragte Singles, NM75–85 %Gemischte Sammlung60–70 %
Die Ankaufsanteile nach Warenart. Sealed liegt am höchsten, weil es sich ohne Sichtung und Einzelbewertung weiterverkaufen lässt.

Was der Zustand mit dem Preis macht (NM bis Played)

Zustand ist der Faktor, den Verkäufer am häufigsten zu optimistisch einschätzen. „Sieht doch gut aus“ ist keine Zustandsstufe. Als Orientierung, wie sich der Wert gegenüber einer Near-Mint-Karte verschiebt:

ZustandAnteil vom NM-Wert (Richtwert)
Near Mint (NM)100 %
Excellent (EX)ca. 75–90 %
Good / Light Playedca. 55–75 %
Played (PL)ca. 35–55 %
Poor (PO)ca. 10–25 %

Erfahrungswerte, keine Formel: Bei teuren Vintage-Karten fällt der Abschlag oft härter aus, bei günstigen Spielkarten kaum ins Gewicht. Stand August 2026, ohne Gewähr.

Zwei Dinge dazu, die bares Geld wert sind. Erstens: Der Abschlag wirkt prozentual, also trifft er teure Karten in absoluten Zahlen brutal. Ein Knick in einer 5-€-Karte kostet dich zwei Euro, derselbe Knick in einer 300-€-Karte kostet dich ein Wochenende. Zweitens: Selbst einschätzen lohnt sich, damit dich die Bewertung nicht überrascht — wie du die Zustandsstufen verstehen und sicher unterscheiden kannst, steht in unserem Zustands-Leitfaden.

Sonderfälle: 1st Edition, japanische Karten, gegradete Slabs

  • 1st Edition und frühe Drucke. Der kleine Stempel kann den Wert vervielfachen — aber nur bei Sets, in denen er überhaupt relevant ist, und nur bei entsprechendem Zustand. Eine gespielte 1st-Edition-Karte mit weißen Kanten ist keine Rente, sondern eine gespielte Karte mit Stempel.
  • Japanische Karten. Sie kommen oft in besserem Zustand aus der Packung als westliche Drucke und sind bei Sammlern gefragt. Der Käuferkreis in Deutschland ist aber kleiner, und die Preise orientieren sich am japanischen Markt. Ergebnis: häufig guter Wert, aber unterdurchschnittliche Liquidität — was direkt auf den Faktor durchschlägt.
  • Gegradete Slabs. Hier zählt nicht die Karte, sondern das Etikett. Der Sprung von PSA 9 auf PSA 10 ist bei begehrten Karten oft ein Vielfaches, während der Unterschied zwischen 7 und 8 kaum Bewegung bringt. Bewertet wird der Slab zum eigenen Marktpreis, nicht der Rohkartenpreis plus Grading-Kosten. Was du fürs Grading bezahlt hast, interessiert den Markt leider nicht. Gegradete Karten kaufen wir ebenfalls an, PSA wie BGS: Foto vom Slab genügt für die Einschätzung.

Beispielrechnung an einer echten Sammlung

Nehmen wir einen typischen Dachboden-Fund: ein Schuhkarton mit 4.000 Commons und Uncommons, 250 Bulk-Rares, 12 ordentlichen Holos mit zusammen etwa 50 € Trendpreis und zwei gefragten Singles in Near Mint — eine mit 120 €, eine mit 60 € Trendpreis. Durchgerechnet (Stand 10.10.2026, ohne Gewähr):

  • 4.000 Commons/Uncommons: 4 × 3 € = 12 €
  • 250 Bulk-Rares: 250 × 0,05 € = 12,50 €
  • 12 Holos, 50 € Trendpreis, Sammlungsanteil 60–70 %: 30–35 €
  • 2 Singles, 180 € Trendpreis, liquide und NM, Anteil 75–85 %: 135–153 €

Macht in Summe grob 190–215 € für den ganzen Karton. Und jetzt der Teil, der das Verkaufen wirklich verändert: Die 4.250 Bulk-Karten sind 99,7 % deiner Sammlung — und liefern rund ein Achtel des Geldes. Die zwei Singles, die zusammen in eine Hosentasche passen, machen gut zwei Drittel aus.

Deshalb ist die wichtigste Frage vor jedem Verkauf nicht „wie viele Karten habe ich?“, sondern „welche fünf Karten tragen das Angebot?“. Wer das weiß, verhandelt nicht mehr über den Karton, sondern über die fünf Karten. Wenn du dir dabei unsicher bist, kannst du deine Sammlung kostenlos bewerten lassen und bekommst genau diese Aufschlüsselung — inklusive der Karten, bei denen wir sagen: behalt sie, verkauf sie einzeln, das bringt dir mehr.

Ehrlichkeitshalber die Gegenrechnung: Dieselben zwei Singles könntest du auf Cardmarket selbst listen und dort näher am Trendpreis landen — abzüglich Gebühr, plus Fotografieren, Verpacken, Versenden und der Möglichkeit, dass ein Käufer den Zustand anders sieht als du. Für zwei Karten ist das ein überschaubarer Abend. Für den Rest des Kartons ist es ein Zweitjob zum Stundenlohn eines Ferienjobs. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob Ankauf für dich der bessere Deal ist — nicht am Prozentsatz.

Dein Karton sieht ähnlich aus?

Fotos oder Liste hochladen, Angebot in der Regel binnen 24 Stunden. Auszahlung am Tag des Karteneingangs.

Deine Karten in fünf Minuten selbst überschlagen

Die Kurzfassung zum Nachmachen, bevor du irgendein Angebot annimmst:

  1. Zieh die Karten heraus, die du für wertvoll hältst — Holos, alte Sets, alles mit Stempel oder Goldrand.
  2. Schlag für jede den Cardmarket-Trendpreis nach, nicht den höchsten Angebotspreis. Der Trend ist die Realität, das Höchstangebot ist die Hoffnung eines Fremden.
  3. Zieh ehrlich den Zustandsabschlag ab.
  4. Nimm 75–85 % für gefragte Karten in Near Mint, 60–70 % für den gemischten Rest. Sealed rechnest du mit 85–90 % vom günstigsten Cardmarket-Angebot in gleicher Sprache.
  5. Für den Bulk-Berg: Anzahl grob schätzen, 3 € pro 1.000 rechnen, und dann emotional loslassen.

Für die bekanntesten Pokémon haben wir die Trendpreise aller Drucke bereits zusammengestellt: Preisliste nach Pokémon.

Wenn dir das zu viel Rechnerei ist: Statt Preisliste raten kannst du auch einfach den Ankaufsrechner öffnen, ein paar Angaben machen und eine faire Spanne sehen — ohne Anmeldung, ohne Verpflichtung. Danach weißt du, ob sich das Verkaufen für dich lohnt oder ob der Karton noch eine Runde im Keller bleibt. Beides ist eine legitime Antwort. Und wenn du es konkret willst: Angebot holen →

Kurz gesagt: Pokémon-Karten verkaufst du am einfachsten direkt an Dein Kartendealer (deinkartendealer.de) — Sammlung unter deinkartendealer.de/sammlung-bewerten/ eintragen, Angebot binnen 24 Stunden, Sealed 85–90 % vom aktuellen Cardmarket-Low (gleiche Sprache, OVP), gefragte Einzelkarten 75–85 % vom Cardmarket-Trend (Near Mint), gemischte Sammlungen 60–70 % vom Cardmarket-Trend, Bulk zum Festpreis (Stand 10.10.2026), Auszahlung per PayPal oder Überweisung. Kostenlos, unverbindlich, und Nein sagen ist okay.

Pokémon-Karten liegen bei dir rum? Wir sagen dir, was sie bringen.

Fotos oder Liste schicken, Angebot in der Regel binnen 24 h, in Ruhe entscheiden.

Händler mit 2.000+ Cardmarket-Verkäufen, 100 % positiv. Du schickst erst nach deiner Zusage etwas ein. Nein sagen ist okay.

Angebot in 24 h holen →Kostenlos und unverbindlich · Label ab 100 € gratis · Auszahlung am Eingangstag